Hitdorfer Streichholzgeschichte

Text nach einem Aufsatz von Katharina Ebbinghaus

Als Prometheus, der Gott des Feuers, den Menschen gegen den Willen von Zeuss das Feuer brachte, wurde er zur Strafe an einen Felsen im Kaukasus geschmiedet.
Die Menschen kannten zwar nun das Feuer, aber die Handhabung war sehr beschwerlich. Nur durch mühseliges Quirlen eines Holzstabes auf einer Holzfläche entstand durch Reibung so viel Hitze, dass das Holz zu schwelen anfing. Durch Pusten wurde Sauerstoff hinzugefügt und die zarte Glut verwandelte sich in offenes Feuer. Zugegeben,  keine sehr effiziente Art, sich eine Zigarette anzuzünden. Es sollte noch einige tausend Jahre dauern, bis es einem Friedrich Johann Kammerer aus Ludwigsburg während seiner Festungshaft, die er wegen der Teilnahme an einer politischen Demonstration abzusitzen hatte, die im wahrsten Sinne des Wortes zündende Idee kam, nach einem leicht brennbaren und entzündbaren Stoff zu suchen. In ein Gemisch aus weißem Phosphor und chlorsaurem Kali tauchte er das eine Ende eines Holzstäbchens und es war fertig, das erste Zündholz. Keine Frage, dass sich diese Erfindung einer – um im Bild zu bleiben – explosionsartigen Beliebtheit erfreute. Kammerer hatte das große Pech, dass es zu der damaligen Zeit noch keinen Patentschutz gab, denn sofort machten sich geschäftstüchtige Unternehmer diese treffliche Gelegenheit zunutze und bauten Herstellungsbetriebe für Zündhölzer auf. Allein in Hitdorf waren es fünf an der Zahl. Einer von ihnen und der größte war J.M. Fitzen. Zehn Jahre nach der Erfindung gegründet, bestand die Fabrik über 125 Jahre. 1.500.000 Döschen pro Jahr stellte er mit 21 Arbeitern her. Heute undenkbar, wenn man weiß, dass weißer Phosphor giftig ist und Nekroseerkrankungen, eine Form der Zellzerstörung, verursachen kann. Erst 1903 verbot der deutsche Staat die Verwendung von weißem Phosphor zur Produktion von Zündhölzern. Diesem Verbot schlossen sich in der Folge alle europäischen Zündholzhersteller an. Es gab seit der Mitte des 19. Jahrhunderts aber auch eine parallele technische Entwicklung. Man hatte damals schon die Gefährlichkeit des weißen Phosphors erkannt und nach einer ungiftigen Lösung gesucht. Wenn man Hölzchen mit dem ungiftigen roten Phosphor versah und ihn an einer speziellen Reibfläche entzündete, dann wäre sowohl das gesundheitliche Risiko beim Herstellungsprozess ausgeräumt als auch die Gefahr aus der zu leichten Entzündbarkeit gebannt. Der Nachteil war allerdings, dass man eben eine spezielle Reibfläche benötigte. Diese „Sicherheitshölzer“ konnten sich erst durchsetzen, als es den Schweden gelang, ein „Streichholz“ zu entwickeln, das ebenso leicht und vor allem genau so zuverlässig handhabbar war, wie vorher die Zündhölzer.

Hitdorf hat der Zündholzindustrie ein wunderschönes Denkmal vor dem Eingang des Heimatmuseums gesetzt.

Einen lesenswerten Aufsatz von Bernd Bilitzki über die Geschichte des Streichholzmonopols in Deutschland finden Sie hier.

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Autor: heimatvereinhitdorf

Heimatverein Hitdorf e.V.