Menschen am Fluss

Vom 6. November 2016 bis zum 8. Januar 2017 zeigten wir an jedem Wochenende eine viel beachtete Ausstellung mit dem Titel „Menschen am Fluss“. Ausgestellt wurden Werke des Kunstkreises St. Stephanus Hitdorf. Malerei, Linoldrucke und Fotografien zum Thema waren zu sehen. Begleitet wurde die Ausstellung durch Musik und Lesungen zum gleichen Thema. Ein Höhepunkt war auch der Auftritt des Kabarettisten Wilfried Schmickler.

Es ist ein 22-seitiges Fotomagazin über diese Ausstellung erschienen.  Sie können es unter dem folgenden Link zum Preis von € 8,00 zuzügl. Versandkosten bestellen:
Menschen am Fluss

Holz aus dem Frankenwald

Na ja, man kennt das doch aus Filmen, wenn in riesigen Holzflößen Baumstämme durch kanadische Flüsse und Seen aus der Wildnis British Columbiens nach Vancouver geschifft werden. Aber Holzflöße nach Hitdorf? Aus den kleinen Zuflüssen im Frankenwald  in  den Main, wo die Baumstämme zu großen Flößen zusammengebunden und weiter den Main und  Rhein herunter geschifft wurden?
Irgendwie kann man sich das nicht mehr so recht vorstellen. Und doch war es so. Im Jahr 1968 wurde das letzte Floß mit 400 – 500 Meter Festholz auf die Reise geschickt.

Was das alles mit Hitdorf zu tun hat, konnten Sie auf der Sonderausstellung Flößerei – Mit dem Floß über den Main nach Hitdorf am Rhein – lernen. Für diejenigen, die diesen Vorzug nicht oder noch nicht hatten, gibt es ein Begleitheft zu dieser Ausstellung. Leider auch nicht mehr in Papierform erhältlich, aber der Heimatverein hat keine Mühen gescheut. Per Download ist es nun wieder existent. Und jede später geborene Hitdorferin und jeder Neubürger Hitdorfs sollte es gelesen haben. Und wenn Sie uns mal Sonntags besuchen kommen, wird Ihnen Bernd Bilitzki auch einen wunderschönen Film über die Fößerei nach Hitdorf zeigen können. Es lohnt sich!

Das Zündwarenmonopolgesetz

von Bernd Bilitzki

Der schwedische Industrielle Ivar Kreuger, der das Zündwarenmonopol in Deutschland angestoßen hat, begann 1908 mit einer Baufirma eine steile wirtschaftliche Karriere. 1913 strukturierte er das inzwischen aufgebaute Firmenkonglomerat um und und bildete die Svenska Tandstiticks Aktiebolaget, deren Schwerpunkt auf der Nutzung des schwedischen Holzreichtums und der Produktion von Zündhölzern lag.
Sehr erfolgreich expandierte Kreuger auf immer neuen nationalen Märkten, indem er mit Dumpingpreisen die Konkurrenz so lange schwächte bis er den Markt kontrollierte. Auf diese Weise wuchs die 1917 in Swedish Match umbenannte Firma zu einer Holding an, der in den 30iger Jahren rund 150 Tochterfirmen angehörten, die wiederum in 33 Ländern den Zündholzmarkt und etwa 60% der Weltproduktion kontrollierten.

Auch in Deutschland war Kreuger mit seiner Strategie sehr erfolgreich. Doch angesichts der steigenden Zahl russischer Billigzündhölzer versuchte er nun, sein Monopol durch staatliche Garantien abzusichern. Geschwächt durch die Weltwirtschaftskrise und die Reparationszahlungen nach dem ersten Weltkrieg war die deutsche Reichsregierungan einer Staatsanleihe interessiert, wie sie Kreuger schon an insgesamt 17 Staaten vergeben hatte.  Als  Gegenleistung für die Gewährung eines langfristigen und zinsgünstigen Kredites einigte sich die Reichsregierung mit Kreuger schließlich auf die Zahlung einer Anleihe in Höhe von 500 Millionen Reichsmark (damals etwa 125 Millionen Dollar). Dafür sicherte ihm die Weimarer Republik ein Monopol auf Zündwaren zu und garantierte ihm einen Anteil von 65% am Zündholzmarkt. Diese Vereinbarung wurde am 26. Oktober 1929 zu einem Vertrag zwischen der Weimarer Republik und Kreugers Firma, der dann am 29. Januar 1930 in das Zündwaren-monoplgesetz einfloss. Seitdem waren nur noch Streichhölzer der deutschen Zündwaren Monoplgesellschaft erhältlich. Den deutschen Produzenten wurden feste Kontingente zugeteilt. Exporte oder Neugründungen waren nicht erlaubt. Das Monopol hatte eine vorgesehende Laufzeit von 53 Jahren und endete folglich im Jahr 1983.

 

Hitdorfer Streichholzgeschichte

Text nach einem Aufsatz von Katharina Ebbinghaus

Als Prometheus, der Gott des Feuers, den Menschen gegen den Willen von Zeuss das Feuer brachte, wurde er zur Strafe an einen Felsen im Kaukasus geschmiedet.
Die Menschen kannten zwar nun das Feuer, aber die Handhabung war sehr beschwerlich. Nur durch mühseliges Quirlen eines Holzstabes auf einer Holzfläche entstand durch Reibung so viel Hitze, dass das Holz zu schwelen anfing. Durch Pusten wurde Sauerstoff hinzugefügt und die zarte Glut verwandelte sich in offenes Feuer. Zugegeben,  keine sehr effiziente Art, sich eine Zigarette anzuzünden. Es sollte noch einige tausend Jahre dauern, bis es einem Friedrich Johann Kammerer aus Ludwigsburg während seiner Festungshaft, die er wegen der Teilnahme an einer politischen Demonstration abzusitzen hatte, die im wahrsten Sinne des Wortes zündende Idee kam, nach einem leicht brennbaren und entzündbaren Stoff zu suchen. In ein Gemisch aus weißem Phosphor und chlorsaurem Kali tauchte er das eine Ende eines Holzstäbchens und es war fertig, das erste Zündholz. Keine Frage, dass sich diese Erfindung einer – um im Bild zu bleiben – explosionsartigen Beliebtheit erfreute. Kammerer hatte das große Pech, dass es zu der damaligen Zeit noch keinen Patentschutz gab, denn sofort machten sich geschäftstüchtige Unternehmer diese treffliche Gelegenheit zunutze und bauten Herstellungsbetriebe für Zündhölzer auf. Allein in Hitdorf waren es fünf an der Zahl. Einer von ihnen und der größte war J.M. Fitzen. Zehn Jahre nach der Erfindung gegründet, bestand die Fabrik über 125 Jahre. 1.500.000 Döschen pro Jahr stellte er mit 21 Arbeitern her. Heute undenkbar, wenn man weiß, dass weißer Phosphor giftig ist und Nekroseerkrankungen, eine Form der Zellzerstörung, verursachen kann. Erst 1903 verbot der deutsche Staat die Verwendung von weißem Phosphor zur Produktion von Zündhölzern. Diesem Verbot schlossen sich in der Folge alle europäischen Zündholzhersteller an. Es gab seit der Mitte des 19. Jahrhunderts aber auch eine parallele technische Entwicklung. Man hatte damals schon die Gefährlichkeit des weißen Phosphors erkannt und nach einer ungiftigen Lösung gesucht. Wenn man Hölzchen mit dem ungiftigen roten Phosphor versah und ihn an einer speziellen Reibfläche entzündete, dann wäre sowohl das gesundheitliche Risiko beim Herstellungsprozess ausgeräumt als auch die Gefahr aus der zu leichten Entzündbarkeit gebannt. Der Nachteil war allerdings, dass man eben eine spezielle Reibfläche benötigte. Diese „Sicherheitshölzer“ konnten sich erst durchsetzen, als es den Schweden gelang, ein „Streichholz“ zu entwickeln, das ebenso leicht und vor allem genau so zuverlässig handhabbar war, wie vorher die Zündhölzer.

Hitdorf hat der Zündholzindustrie ein wunderschönes Denkmal vor dem Eingang des Heimatmuseums gesetzt.

Einen lesenswerten Aufsatz von Bernd Bilitzki über die Geschichte des Streichholzmonopols in Deutschland finden Sie hier.

75 Jahre Kolpingfamilie in Hitdorf

Wenn das kein Anlass ist, eine Sonderausstellung im Türmchen aufzubauen!

Auf 75 Jahre blickt die Kolpingfamilie in Hitdorf zurück. Was in dieser Zeit geschehen ist, haben die drei Kolpingbrüder, Karlheinz Lange, Ralph Bilitzki und Jürgen Hoffmann in mühevoller Detailarbeit erforscht, gesichtet und zusammengetragen. Gesammelte Unterlagen, Bücher und vor allem Zeitungsausschnitte mussten ausgewertet werden bis auf diese Weise ein repräsentativer Querschnitt durch das Vereinsleben und das Zusammenleben mit der kommunalen Gemeinde zusammengetragen war.

© Martina Auweiler-Gewaltig

Zu einer schönen Collage setzte Martina Auweiler-Gewaltig Bildmaterial der Familie Kolping mit Bildern aus dem alten und neuen Hitdorf zusammen. Eine Pressenotiz zur Ausstellung finden Sie im Downloadbereich unserer Seite.

Hitdorfer Tabakgeschichte

nach Recherchen von Bernd Bilitzki

Irgendwie passt alles zusammen bei den Hitdorfern: Tabak, Streichhölzer und Bier. Die drei wichtigen Industrien der kleinen Stadt am Rhein. Zigarren fallen dem Neubürger von Hitdorf wahrscheinlich nicht als erstes ein, wenn er sich aufmacht, um seine neue Heimat zu erkunden. Da würde ihm vermutlich zuerst Kuba und einige andere karibische Länder einfallen. Aber man verkennt sie eben, die Talente der alten Hitdorfer.

Begonnen hatte alles, als Peter Dorff, größter Landbesitzer in Hitdorf, im Jahr 1765 Fabrikationshallen an der Langenfelder Straße und an der heutigen Hitdorfer Straße aufbaute.  Aus alten Geschäftsbüchern und Lieferpapieren kann man sehen, dass er offenbar die Tabakpflanzen per Schiff bekam. Es ist von beträchtlichen Liefermengen die Rede. So waren es  1844 zum Beispiel 92 Ballen Tabakblätter mit einem Gewicht von 506 Zentnern. Eine andere Lieferung wog 192 Zentner. Die Geldüberweisung von 16.500 Gulden sind ein Indiz dafür, woher die Lieferungen stammten.
Peter Dorff hielt sein kleines Imperium über drei Generationen in der Familie bis es an den ebenfalls in Hitdorf ansässigen Zigarrenfabrikanten Lorentz Cremer verkauft wurde. Der machte dann Hitdorf zu einer wichtigen Zigarrenfabrikation. 80 Mitarbeiter beschäftigte die Firma in ihren Blütezeiten. Doch der erste Weltkrieg forderte auch hier seine Opfer. Es fehlte das Personal. In der nahen Großindustrie waren wohl die Beschäftigungsbedingungen besser. Inzwischen war der Schwiegersohn Cremers, Hubert Freiburg in die Fabrik eingestiegen. Sein Sohn, Lorenz kaufte eine weitere Fabrik in Hemsbach an der Weinstraße und verlagerte in der Folge die gesamte Produktion dorthin.

Aber wie so oft im Leben, man ist nie so ganz allein. Natürlich gab es auch Konkurrenz: Da ist vor allem die Tabak- und Zigarrenfabrik Caspers-Neehs zu nennen, die 1796 in Hitdorf an der Rheinstraße gegründet wurde. Die Familie Neehs, die in Köln einen bekannten Namen als Händler und Tabakfabrikanten hatte, engagierten sich auch in Hitdorf mit ihrer sozialen Einstellung für Ihre Mitarbeiter.  Zeugnis legen die 1910 gebauten Casper-Hüser ab. Aber auch die Firma Caspers-Neehs musste sich nach dem ersten Weltkrieg verkleinern. Zur endgültigen Schließung kam es 1953.

Vollständigkeitshalber sollten noch vier kleinere Zigarrenfabrikationen in Hitdorf genannt werden:
Die Tabak- und Zigarrenfabriken der Familien Behrens, Gerits, Piel und Schweitzer.
Sie alle erlangten aber nicht mehr die Bedeutung von Dorff / Cremers und Freiburg bzw. Caspers / Neehs.

Zweihundert Jahre hat die Hitdorfer Tabakgeschichte gedauert bis sie 1964 mit der Schließung der letzten Fabrik endete.

 

 

Kriegszeiten

Hitdorf hat auch schlimme Zeiten erlebt. Das Jahr 1942, in dem Monheim und Rheindorf bombardiert wurden, verlief für Hitdorf noch halbwegs glimpflich. Zwischen März und April 1945, also kurz vor Kriegsende, wurde es allerdings von Deutschen und Amerikanern auch im Straßenkampf schwer umkämpft. 26 Hitdorfer*innen verloren ihr Leben.
Insgesamt hat Hitdorf aus dem ersten Weltkrieg 60 Tote und dem zweiten Weltkrieg ca. 200 Tote zu beklagen.
Der Heimatverein erinnerte an diese Zeiten mit einer Sonderausstellung und einer Broschüre

„Den Gefallenen und Vermissten aus Hitdorf zum Gedenken und den Lebenden zur Mahnung.“

Die Broschüre ist leider vergriffen.
Wir freuen uns aber, dass wir sie Ihnen noch als Download zur Verfügung stellen können.